Segnendes Gebet für jeden Barbara Brockhaus
Jun
Manche Band tourt seit Jahren oder Jahrzehnten mit denselben Liedern durch die Konzertsäle. Mit einem Grundrepertoire von vielleicht 30-40 Liedern kann man sich über Jahre gut behaupten. Vielleicht variieren die Künstler ein wenig das Arrangement – aber das Publikum ist glücklich, wenn es die geliebten Klassiker nach wenigen Takten erkennt, bei Deep Purple etwa „Smoke on the Water“ oder bei Bob Dylan „Blowing in the wind“.
Bei Predigern ist das anders, sie könnten niemals die immergleichen Predigten in einer Wiederholungsschleife bringen. Wer Sonntagmorgens in den Gottesdienst kommt, erwartet keinen aufgewärmten Neuaufguss einer Predigt, die er schon öfter gehört hat. Da gibt es jeden Sonntag eine Original-Predigt, die genau für diesen einen Tag geschrieben wurde. Und die (zumindest in derselben Gemeinde) nicht ein zweites Mal gehalten werden wird. Ein Unikat, sozusagen. Warum ist das so?
Paulus fordert Timotheus auf: „Verkünde die Botschaft Gottes! Tritt für sie ein, ob sie erwünscht ist oder nicht. Decke Schuld auf, weise zurecht, ermahne und ermutige…“ (2. Tim 4,2 NGÜ). Das heißt: Gott möchte durch die Predigt konkret in unsere aktuelle Situation, in unser Leben hineinsprechen. Mal sind mahnende Worte gefragt, mal ermutigende. Mal soll uns Gottes aufbauender Zuspruch deutlich werden, mal Gottes durchaus auch herausfordernder Anspruch an uns. Predigten werden da lebensrelevant, wo sie eine Verbindung zwischen unserem Leben, unserem Fragen und Gottes Reden schaffen. Oder da, wo Gottes Anfragen an uns deutlich werden.
Ich bin dankbar, dass sich bei uns in der Christuskirche jede Woche jemand aus dem Team der haupt- und ehrenamtlichen Prediger Zeit nimmt, neu herauszufinden, was Gott uns ganz aktuell mitteilen möchte. Dass Menschen Energie und Zeit investieren, tief in biblische Texte einzutauchen – und dann das, was relevant und wichtig erscheint, gut verständlich zu vermitteln. Und wenn die Predigt einmal bei mir nicht genau ins Schwarze trifft, dann sicher bei einem, der es gerade nötiger hatte …
Ulrich Müller