Mittwochsgedanke

Seit Sommer entdecke ich Bibeltexte, die ich schon lange zu kennen glaube, ganz neu. Manche Stellen, die sich mir nie ganz erschlossen haben, erscheinen mir auf einmal ganz klar. Warum?

Ich habe mir die englische Bibelübertragung „The Message“ von Eugene Peterson (1932-2018) besorgt. Peterson war als Pastor und Dozent ein Experte der Bibelsprachen, er hatte als Fachmann einen Blick für die Feinheiten der griechischen und hebräischen Sprache. Und er war gleichzeitig ein Sprachkünstler, ein Poet. Er wollte, dass heutige Leser vom Text so unmittelbar gepackt werden wir damals die Erstleser. Seine Bibelübertragung in zeitgemäßes, heutiges Englisch wurde sogar von U2-Frontmann Bono überschwänglich gelobt. Bono las bei U2-Konzerten vor Tausenden aus Petersons Psalmenübersetzungen!

Selbst ich mit meinem schmalen Schulenglisch verstehe in dieser Bibel das Meiste auf Anhieb. Und ich freue mich am laufenden Band über besonders gelungene Formulierungen.

„God created the Heavens and Earth – all you see, all you don’t see. Earth was a soup of nothingness, a bottomless emptiness, an inky blackness…” –

Mit diesen kraftvollen Formulierungen beginnt 1 Mose 1 bei “The Message”.

“God, mark us with grace and blessing! Smile!”

– so prägnant lautet Psalm 67 bei Peterson: “Gott, zeig mir dein Lächeln!“.

Jesus “experienced a life-giving birth and a death-killing death”

heißt es in 1. Johannes 5.

Wow, genial auf den Punkt gebracht. Wer einen frischen Blick auf die alten Texte der Bibel werfen will, könnte, ein wenig Englischkenntnisse vorausgesetzt, mit „The Message“ ganz neue Aspekte und Anknüpfungspunkte entdecken.

 

Grüße Ulrich Müller